In meinen früheren Studien habe ich die Grenzen der typischen Messungen von Aufmerksamkeitskontrolle, wie z. B. des «Stroop-Effekts», aufgezeigt. Diese Messungen weisen einen Mangel an Zuverlässigkeit und/oder Validität auf. Der Mangel an Zuverlässigkeit bedeutet, dass die Ergebnisse bei der gleichen Person bei verschiedenen Durchführungen stark variieren können. So kann der «Stroop-Effekt» bei derselben Person in einem Moment stark und nur wenige Augenblicke später schwach ausgeprägt sein. Der Mangel an Validität bezieht sich darauf, dass die bisher durchgeführten Messungen zur Untersuchung der Aufmerksamkeitskontrolle es nicht erlauben, diesen kognitiven Prozess genau zu messen. Beim «Stroop-Effekt» ist es beispielsweise schwierig, die Aufmerksamkeitskontrolle von anderen Prozessen wie der Geschwindigkeit, mit welcher Farbwörter verarbeitet werden, zu isolieren. Wenn mehrere Aufgaben zur Messung der Aufmerksamkeitskontrolle angewandt werden, korrelieren diese Messungen zudem nicht. Dies macht deutlich, dass diese Aufgaben nicht den gleichen kognitiven Prozess messen, wodurch sich die Frage stellt, welchen Prozess sie also tatsächlich messen.
Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, wie schwierig es ist, die Aufmerksamkeitskontrolle zuverlässig und valide zu messen. Weit wichtiger ist es jedoch, die Gründe für diese mangelnde Zuverlässigkeit und Validität zu verstehen. Das Ziel dieses Forschungsprojekts ist, diese Gründe zu bestimmen. Auf diese Weise kann festgestellt werden, ob zuverlässige und valide Messungen etabliert werden können oder ob man sich von diesem Konzept verabschieden muss, um interindividuelle Unterschiede, wie den altersbedingten kognitiven Abbau oder den kognitiven Vorteil zweisprachiger Menschen, zu erklären.