Wie sich Langeweile und Selbstkontrolle auf die Einhaltung der Schutzmassnahmen von COVID-19 auswirken

Seit Anfang 2020 wurden weltweit Massnahmen umgesetzt, um die Verbreitung von COVID-19 einzudämmen. Abstandregeln, Grenz- und Schulschliessungen, Home-Office-Pflicht oder auch Lockdowns: All diese Massnahmen haben zu mehr Zeit zu Hause geführt ... und damit zu mehr Langeweile.

Prof. Dr. Corinna Martarelli hat verschiedene Studien durchgeführt, in denen sie den Zusammenhang zwischen Langeweile, Selbstkontrolle und dem Einhalten von Schutzmassnahmen während einer Pandemie untersucht hat. Wenn wir verstehen, wie sich individuelle Eigenschaften wie Langeweile oder Selbstkontrolle auf die Einhaltung von Schutzmassnahmen auswirken, können wir Lösungen entwickeln, die eine bessere Einhaltung der Schutzmassnahmen fördern.

«Wir haben festgestellt, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Ausmass der Langeweile von Personen und der wahrgenommenen Schwierigkeit, die Schutzmassenahmen einzuhalten, gibt. Je grösser die Tendenz einer Person ist, sich leicht zu langweilen, umso schwieriger fällt es ihr, sich an die Massnahmen zu halten. Im Gegensatz dazu halten Personen, die über eine bessere Selbstkontrolle verfügen, die Schutzmassnahmen besser ein – was nicht bedeutet, dass sie sie als einfacher oder weniger einfach empfinden.»
Prof. Dr. Corinna Martarelli

Angesichts dieser Feststellung hat Prof. Dr. Corinna Martarelli in Zusammenarbeit mit Maik Bieleke und Dr. Wanja Wolff der Universität Konstanz ein Vorgehen entwickelt, die die Einhaltung von Schutzmassnahmen verstärken soll, indem den Teilnehmenden eine Selbstregulierung angeboten wird: die Wenn-Dann-Planung (if-then planning). Hierbei ging es darum, dass die Teilnehmenden ihr Verhalten als Reaktion auf eine gegebene Situation planen, z. B.: Wenn der Supermarkt überfüllt ist, komme ich zu einem späteren Zeitpunkt wieder. Die Teilnehmenden, die diesem Vorgehen folgten, konnten im Verlauf der Zeit die Schutzmassnahmen besser einhalten. Dies ist also ein vielversprechender Weg, der eine eingehendere Betrachtung und weitere Forschungsaktivitäten verdient.

Der Erfolg der Schutzmassenahmen hängt somit vom Verhalten jedes Einzelnen ab; daher ist es sehr wichtig, die psychologischen Faktoren zu kennen, die ihre Einhaltung beeinflussen. Es gilt also Lösungen und Möglichkeiten zu entwickeln, die jedem Einzelnen helfen, sich an die Schutzmassnahmen halten zu können.

 

Neueste Publikation zu diesem Thema

Bezeichnung: Bored by bothering: A cost-value approach to pandemic boredom
Fakultät: Psychologie
Leiterin: Prof. Dr. Corinna Martarelli
Autoren: Prof. Dr. Corinna Martarelli, Dr. Wanja Wolff (Konstanz), Maik Bieleke (Konstanz)
Ziel: Die Auswirkung individueller Eigenschaften (Selbstkontrolle, Anfälligkeit für Langeweile) und Verhaltensstrategien (Wenn-Dann-Planung) auf die Einhaltung von Schutzmassenahme verstehen.

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