Globalgeschichte Europas und der Schweiz
Fakultät Geschichte
Michael Schmitz ist Doktorand in der Forschungsgruppe Globalgeschichte Europas und der Schweiz unter der Leitung von Prof. Dr. Bernhard Schär.
Michael Schmitz ist Doktorand in der Forschungsgruppe Globalgeschichte Europas und der Schweiz unter der Leitung von Prof. Dr. Bernhard Schär.
Sein im Februar 2024 begonnenes Doktoratsprojekt befasst sich mit Schweizer Kakaohändlern und Plantagenbesitzern in Bahia in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 2024 war er für einen längeren Forschungsaufenthalt in Salvador da Bahia und an der Staatsuniversität Santa Cruz in Ilhéus (Brasilien). Der Aufenthalt wurde unterstützt durch einen Early Career Grant des Leading House for Latin America. Er hat sein Doktoratsprojekt u.a. an den Schweizerischen Geschichtestagen 2025 in Luzern und an der Konferenz Slavery, Democracy and Resistance an der Universität Lausanne (November 2025) präsentiert.
Nach dem Abschluss seines Lizentiatsstudiums in Allgemeiner Geschichte an der Universität Zürich im Jahr 2008 arbeitete Michael Schmitz als Geschichts- und Deutschlehrer auf verschiedenen Bildungsebenen, darunter auch in einer Strafvollzugsanstalt. Im Jahr 2024 war er Mitherausgeber eines Buches über die Geschichte der Baugenossenschaft Wiedikon in Zürich. Von 2009 bis 2022 engagierte er sich in den antirassistischen Projekten Autonome Schule Zürich und Papierlose Zeitung. Als langjähriger Capoeirista organisiert er Veranstaltungen zur Bewahrung und Verbreitung der afro-brasilianischen Geschichte und Kultur.
Der Forschungsschwerpunkt von Michael Schmitz liegt auf den globalen Verflechtungen der Schweiz mit besonderem Fokus auf Brasilien und der Geschichte des globalen Rohstoffhandels. Dabei verfolgt er einen Ansatz, der Wirtschaftsgeschichte mit Sozial- und Kulturgeschichte kombiniert.
Abstract
Dieses Dissertationsprojekt untersucht die Rolle des brasilianischen Bundesstaates Bahia im globalen System der Kakaoproduktion und des Kakaohandels in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus der Perspektive eines schweizerisch-brasilianischen Unternehmens, Wildberger & Cia. Während des größten Teils dieses Zeitraums war Bahia nach dem heutigen Ghana der zweitgrösste Kakaoproduzent der Welt. Wildberger & Cia. war der grösste Exporteur der Region, später einer der grössten Landbesitzer, verfügte über ausgezeichnete Verbindungen zur politischen Elite Bahias und fungierte als Vertreter europäischer Banken und Reedereien in der Region. Auf diese Weise spielte das Unternehmen eine dominante Rolle im Kakaogeschäft und prägte die Lebensrealitäten von Plantagenbesitzern und -arbeitern massgeblich.
Das Unternehmen war Teil eines Netzwerks, das sich zeitlich von der sklavenbasierten Wirtschaft des frühen brasilianischen Kaiserreichs bis zum modernen transnationalen Kapitalismus erstreckte. Mithilfe eines akteurszentrierten Ansatzes analysiert Michael Schmitz, wie Wildberger & Cia. Bahia strukturell in den kapitalistischen Weltmarkt des Kakaos integrierte: Welche Netzwerke und Verbindungen waren hierfür notwendig? Wie wurden sie durch Macht- und Ungleichheitsverhältnisse geprägt? Und wie überstand das Unternehmen die politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts ohne staatlich gelenkte imperiale Unterstützung?
Mit dem Wildberger-Archiv wird im Rahmen dieses Projekts erstmals das private Archiv eines bahianischen Kakaohandelsunternehmens für die historische Forschung erschlossen. Diese seltene Möglichkeit, den globalen Zwischenhandel zu untersuchen, schließt eine wichtige Lücke in den Historiografien des globalen Kakaohandels und trägt zu einem besseren Verständnis der Geschichte globaler Rohstoffmärkte im 20. Jahrhundert bei. Darüber hinaus beleuchtet die Arbeit ein bedeutendes Kapitel der Elitenbildung in einer gemeinsamen schweizerisch-brasilianischen Geschichte.
Diese Dissertation wird gemeinsam betreut von Professor Bernhard Schär (UniDistance Suisse) und Senior Lecturer Pierre Eichenberger (Universität Lausanne).
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