Wie gestaltete sich der Publikationsprozess? Können Sie insbesondere Ihre Bildauswahl und die Klärung der Nutzungsrechte sowie die wichtigsten strukturellen Änderungen am Text erläutern?
JF: Vom ersten Meeting mit dem Verlag bis zur Veröffentlichung des Buches ging es rund eineinhalb Jahre. Ausschlaggebend für diese Zeitdauer war vor allem meine Arbeit am Manuskript. Dabei hatte ich die Freiheit, Inhalt und Struktur des Buches selber zu bestimmen. Vom Verlag kamen nur punktuell Rückmeldungen zum Manuskript, als Vorschlag formuliert.
Die Zusammenarbeit mit dem Verlag war geprägt von einer hohen Professionalität (wie man es von der Schwabe Verlagsgruppe als ältestem Verlagshaus der Welt nicht anders erwarten würde). Ich hatte während der ganzen Dauer eine Projektleiterin, die mein Projekt professionell und umsichtig betreute und mir jede Frage kompetent beantworten konnte. Das Manuskript wurde von einer professionellen Lektorin gegengelesen. Über die Umsetzung ihrer Korrekturvorschläge konnte ich entscheiden.
Aus den ursprünglich 30 vereinbarten Bildern sind am Schluss 64 geworden, da ich fantastisches Bildmaterial von den Nachkommen der Tagebuchschreiber erhalten habe. Dabei handelt es sich weitgehend um private Bilder und ich konnte die Nutzungsrechte direkt mit ihnen klären.
Auch bei der definitiven Gestaltung des Buches konnte ich, im Rahmen der produktionsbedingten Möglichkeiten, weitgehend mitreden. So wurde zum Beispiel auf meine Initiative das Vor- und Nachsatzpapier des Buches mit einem handgezeichneten Plan aus einem der Tagebücher bedruckt.
Alles in allem hatte ich als Autor während dem ganzen Prozess die volle Kontrolle über Inhalt und Struktur des Buches und wurde vom Verlag in allen produktionstechnischen Fragen beraten. Grenzen bestanden einzig da, wo der vereinbarte finanzielle Rahmen für die Ausstattung erreicht wurde.
Für welches Publikum ist das Buch gedacht, und welche Anpassungen haben Sie vorgenommen, um es für diese Leserschaft zugänglich zu machen?
JF: Das Buch wendet sich als Public History an eine breite Öffentlichkeit. Mir war es wichtig, diese Erzählung nicht der akademischen Welt vorzubehalten, sondern einer Leserschaft ohne einschlägige Vorkenntnisse zugänglich machen. Es sollte jedoch kein historischer Roman werden, denn ich wollte meine wissenschaftlichen Erkenntnisse verbreiten und nichts dazu erfinden. Die Lebenswelten, die sich mir in den Tagebüchern eröffneten, waren ohnehin spannender als alles, was ein Roman bieten könnte. Deshalb entschloss ich mich, einen neuen Weg zu gehen und Wissenschaft und Literatur in Form eines Storytellings zu verbinden, das mit Quellen belegte Tatsachen wiedergibt, sich aber liest wie ein Roman.
Um meine Erkenntnisse aus der Bachelorarbeit in diese Form zu bringen, musste ich quasi nochmals von vorne beginnen und das Buch komplett neu schreiben. Dabei konnte ich auf viele Recherchen zurückgreifen, die ich bereits getätigt hatte. Ich musste aber auch einiges neu erforschen. Zum Beispiel war René Probst, der Verantwortliche für die Internierung fremder Militärpersonen durch die Schweiz während des Zweiten Weltkriegs, für mich während der Bachelorarbeit noch ein vollkommen Unbekannter, ein Name auf dem Papier, mehr nicht. Erst während meiner Recherchen zum Buch stiess ich auf seine Nachkommen, die mir viele wertvolle Informationen über sein Leben geben konnten, und auf weitere Quellen von ihm in verschiedenen Archiven. Das erlaubte mir schlussendlich, dem Menschen hinter diesem Namen Tiefenschärfe zu verleihen und diese wichtige Person im Buch mit all ihren Schattierungen zu porträtieren.
Bei der Form des Storytellings habe ich stark davon profitiert, dass ich nach meinem Bachelor an der Fernuni nun einen Master in Geschichtsdidaktik und Public History an der PH Luzern und an der Uni Fribourg mache. In diesem Studiengang ist die populäre Vermittlung von Geschichte ein zentraler Aspekt. Dazu gehört auch ein narratives Storytelling, wie ich es in meinem Buch angewendet habe; ganz nach dem israelischen Historiker Yehuda Bauer, der gesagt haben soll: “Never teach history without telling a story”.
Welche Ratschläge würden Sie Studierenden geben, die ihre Bachelorarbeit in ein Buch überführen möchten?
JF: Es kommt darauf an, welches Publikum man ansprechen möchte. Wer eine wissenschaftliche Monografie für eine akademische Leserschaft publizieren möchte, kann seine oder ihre Arbeit vermutlich ohne grosse Anpassungen als Manuskript bei einem Verlag einreichen. Wenn allerdings ein breites öffentliches Publikum erreicht werden soll, scheint es mir wichtig, die wissenschaftlich erarbeiteten Erkenntnisse in eine narrative Form zu bringen. Dazu lohnt es sich, sich mit literaturwissenschaftlichen Erzähltheorien und literarischen Methoden des Storytelling auseinanderzusetzen. Wie erwähnt: “never teach history without telling a story”. In diesem Fall scheint es mir beim Vorgehen auch wichtig, sich frühzeitig mit anderen Autoren und Autorinnen auszutauschen und ein sorgfältiges Exposé über sein Vorhaben zu verfassen. So ist es viel einfacher, einen Verlag zu finden.