Gerät ein Mensch in eine angstauslösende Situation, etwa bei einem Terroranschlag, wird die Amygdala im Gehirn aktiv. «Diese kleine Struktur bereitet uns darauf vor, auf Gefahr zu reagieren. Wenn Menschen ängstlich sind und in die Zukunft blicken, versuchen sie automatisch, der Situation einen Sinn zu geben», erklärt Jan-Willem van Prooijen. Faszinierend und komplex, kommt das Gehirn schlecht mit zufälligen Ereignissen zurecht, was dazu führt, dass die Amygdala die negativen Absichten anderer Menschen überschätzt. Professor van Prooijen verweist auf die Sündenbock-Strategie – ein Mechanismus, der sich immer wieder in der Menschheitsgeschichte gezeigt hat: «Das Gehirn braucht Sicherheit und sucht nach Sündenböcken (Regierung, ethnische Gruppen usw.). In der Folge beginnen Menschen, jene zu beschuldigen, denen sie nicht vertrauen – mit der Hauptmotivation, sich wieder sicher zu fühlen.»