Wir entwickeln einen Online-Kurs, der vermittelt, wie das menschliche Gehirn und Künstliche Intelligenz funktionieren. Im Rahmen einer kontrollierten Studie untersuchen wir, ob dieser Kurs das Nutzungsverhalten von Studierenden im Umgang mit KI für Lernzwecke im Vergleich zu einer Kontrollgruppe verändert.

Generative Künstliche Intelligenz in Form von Large Language Models (LLMs) wie Google Gemini oder OpenAI ChatGPT ist heute leicht zugänglich und wird zunehmend für unterschiedlichste Aufgaben eingesetzt, darunter auch für Lernen und Lehre an Hochschulen. Da generative KI langfristig Teil des akademischen Alltags bleiben wird, stehen Studierende und Lehrende vor der Frage, wie sie sinnvoll in Lehr- und Lernprozesse integriert werden kann.

Ein breiter Konsens besteht darüber, dass generative KI so eingesetzt werden sollte, dass sie zentrale Ziele universitärer Bildung unterstützt. Dazu gehören kritisches und logisches Denken, kreatives Problemlösen, ein angemessenes Verständnis wissenschaftlicher Literatur, die eigenständige Durchführung von Forschung sowie die schriftliche und mündliche Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse und eigener Ideen. Die Umsetzung dieser Grundsätze in der Praxis ist jedoch anspruchsvoll. Eine zentrale Sorge besteht darin, dass Studierende aus mangelndem Wissen oder fehlender Selbstreflexion Aufgaben an KI-Systeme auslagern und dadurch wesentliche Lern- und Denkprozesse nicht selbst durchlaufen. Da ein unangemessener Einsatz von KI häufig unbemerkt bleibt, besteht die Gefahr, dass Studierende Prüfungen bestehen, ohne die erwarteten universitären Kompetenzen tatsächlich erworben zu haben. Dies gefährdet ein zentrales strategisches Ziel der FernUni Schweiz, nämlich die Bereitstellung einer qualitativ hochwertigen akademischen Ausbildung auf Universitätsniveau.

Um dieser Herausforderung zu begegnen, möchten wir Wissen über das Gehirn und über Künstliche Intelligenz vermitteln, das Studierende dabei unterstützt, fundierte Entscheidungen über den Einsatz von KI in ihrem Lernprozess zu treffen. Zu diesem Zweck evaluieren und optimieren wir einen Brain-AI-Literacy-Kurs, der derzeit von EDUDL+ entwickelt wird und ab Oktober 2025 auf der Kaïros-Plattform der FernUni Schweiz verfügbar sein soll.

Der Kurs behandelt die Funktionsweise generativer KI sowie deren Möglichkeiten und Grenzen. Darüber hinaus umfasst er Module zum menschlichen Gehirn, zu Bedingungen für effizientes und nachhaltiges Lernen sowie zur Förderung eines vertieften Verständnisses von Lerninhalten.

Im Rahmen der vorgeschlagenen experimentellen Studie erfassen wir die Nutzungsmuster von KI für Lernzwecke sowie die Studienleistungen der Teilnehmenden vor und nach dem Besuch des Kurses. Diese Daten werden mit jenen einer Kontrollgruppe verglichen, die an einem eigens entwickelten Kurs zum Zeitmanagement teilnimmt. Wir gehen davon aus, dass die Studierenden der Experimentalgruppe ihren KI-Einsatz so anpassen, dass dieser die Erreichung von Bildungszielen unterstützt und ihre Studienleistungen verbessert, während sich dies in der Kontrollgruppe nicht in gleichem Mass zeigt.

Darüber hinaus werden wir Verbesserungsvorschläge auswerten, die von den Teilnehmenden nach Abschluss der Studie eingebracht werden. In einer abschliessenden Projektphase wird der Kurs auf Grundlage der empirischen Ergebnisse weiterentwickelt und optimiert.

Das Projekt liefert neue Erkenntnisse zu Fragestellungen, die für innovative Formen des Online-Lernens von zentraler Bedeutung sind. Es adressiert damit eine wesentliche Herausforderung bei der Umsetzung des strategischen Ziels der FernUni Schweiz, hochwertige akademische Bildung auf Universitätsniveau anzubieten, und unterstützt die Institution dabei, sich an die Chancen und Herausforderungen dieser aufkommenden und tiefgreifend transformierenden Technologie anzupassen.

Mitarbeiter

Prof. Dr. Thomas Reber
Prof. Dr. Thomas Reber Projektleiter
Henrietta Carbonel
Henrietta Carbonel Projektleiterin
Angelo Belardi
Angelo Belardi Projektleiter
MA Maria Prosvirnieva
MA Maria Prosvirnieva Forscherin

Finanzierung

Innovation in distance education
Betrag: CHF 49'754