Warum bleiben Menschen übermässig zuversichtlich, selbst wenn objektive Informationen verfügbar sind, die ihre Überzeugungen korrigieren könnten? Dieses Dissertationsprojekt nutzt eine Reihe kontrollierter Experimente, um zu untersuchen, wann und warum Menschen ihre Überzeugungen in optimistischer Weise aktualisieren, und deckt bislang wenig beachtete wirtschaftliche Kosten der daraus resultierenden Überkonfidenz auf.
Die Studien zeigen, dass optimistische Überzeugungsanpassungen wahrscheinlicher sind, wenn Unsicherheit nicht kurzfristig aufgelöst wird und wenn das zugrunde liegende Ereignis für das Selbstbild besonders bedeutsam ist. Zudem wird deutlich, dass Überkonfidenz bezüglich der eigenen Fähigkeiten Anstrengungsentscheidungen verzerren kann, indem sie zu fehlerhaften Schlussfolgerungen über die Erträge von Anstrengung führt.
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Die Standardtheorie der Ökonomie geht davon aus, dass Menschen ihre Überzeugungen wie perfekte bayesianische Statistiker aktualisieren. Dennoch ist Überkonfidenz – die Tendenz, die eigenen Fähigkeiten, das eigene Wissen oder die eigenen Erfolgschancen zu überschätzen – weit verbreitet und wird mit kostspieligen Entscheidungen wie einem übermässigen Markteintritt oder ineffizienten Investitionsentscheidungen von Führungskräften in Verbindung gebracht. Diese Dissertation, die auf drei kontrollierten Experimenten basiert, untersucht, warum Überkonfidenz trotz verfügbarer korrigierender Informationen entsteht und bestehen bleibt. Darüber hinaus identifiziert sie eine bislang wenig beachtete wirtschaftliche Konsequenz überkonfidenter Überzeugungen.
Die Studie “Motivated Beliefs and Anticipation of Uncertainty Resolution” (American Economic Review: Insights, 2022) zeigt in einem Laborexperiment, dass Teilnehmende ihre Überzeugungen über ihren eigenen Rang innerhalb einer Gruppe optimistisch anpassen, wenn sie nicht erwarten, dass ihr tatsächlicher Rang bald aufgedeckt wird. Steht die Auflösung der Unsicherheit hingegen unmittelbar bevor, erfolgt die Anpassung neutral. Die Ergebnisse legen nahe, dass Überkonfidenz insbesondere dann entsteht und fortbesteht, wenn Menschen genügend Zeit haben, von einem positiven Selbstbild zu profitieren.
Die Studie “Motivated Belief Updating and Rationalization of Information” (Management Science, 2024) zeigt, dass Personen ihre Überzeugungen über ein selbstwertrelevantes Ereignis – die relative Leistung in einem Intelligenztest – optimistischer aktualisieren, wenn dieses Ereignis eine grössere Bedeutung für ihr Selbstbild erhält. Teilnehmende, die negative Informationen erhalten, neigen hingegen dazu, die Bedeutung des Ereignisses für ihr Selbstwertgefühl herunterzuspielen. Die Studie identifiziert damit zwei unterschiedliche eigennützige Strategien zum Schutz des Selbstwertgefühls.
Die Studie “Misguided Effort”, ein gross angelegtes Experiment in einem simulierten Arbeitsmarkt, zeigt schliesslich, dass Überkonfidenz verdeckte indirekte Kosten verursachen kann. Wenn Einkommen sowohl von den individuellen Fähigkeiten als auch vom Ertrag der geleisteten Anstrengung abhängen, schreiben überkonfidente Personen schlechte Anfangsergebnisse fälschlicherweise geringen Erträgen von Anstrengung zu und reduzieren ihre Anstrengungen entsprechend. Unterkonfidente Personen ziehen die entgegengesetzte, ebenfalls fehlerhafte Schlussfolgerung. Die Ergebnisse zeigen, dass verzerrte Überzeugungen über die eigenen Fähigkeiten wichtige Auswirkungen auf wirtschaftliche Entscheidungen und Leistungsentwicklungen haben können.