In diesem interdisziplinären Projekt mit der HEV-VS, das vom Kanton Wallis unterstützt wird, werden verschiedene Ansätze untersucht, um die Nutzung von Daten im Tourismusbereich zu verbessern. UniDistance prüfte dabei insbesondere die Vereinbarkeit mit den Datenschutzanforderungen.

Im Tourismus können zahlreiche Datenquellen genutzt werden. Unsere Forschung konzentrierte sich auf neun Datentypen: Daten aus Online-Suchmaschinen, Mobilitätsdaten des Strassenverkehrs und des öffentlichen Verkehrs, Verbrauchsdaten aus Stromzählern, Verbrauchsdaten aus Wasserzählern, Verbrauchsdaten auf der Grundlage geschätzter Abfallmengen, Konsumdaten aus Kassenzetteln, Kundendaten aus Customer-Relationship-Management-Systemen (CRM), Steuerdaten auf Basis der Mehrwertsteuer sowie Finanzdaten aus Zahlungsterminals. Für jeden dieser Datentypen stützte sich unsere Analyse auf eine Literaturübersicht und Interviews mit Fachpersonen, um die in der Schweiz und im Wallis verfügbaren Daten zu untersuchen, ihren Nutzen zu bewerten und die mit ihrer Verwendung verbundenen rechtlichen Rahmenbedingungen zu verstehen. Die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten werden ausführlich in einem über hundert Seiten umfassenden White Paper dargestellt.

Das White Paper enthält zentrale Empfehlungen für einen sachgerechten Umgang mit Daten im Tourismussektor. Es hebt den Wert neuer Datenquellen hervor, die ein vertieftes Verständnis des Verhaltens, der Präferenzen und der Bewegungsmuster von Touristinnen und Touristen ermöglichen, und unterstreicht deren unbestrittenen Nutzen für die Tourismusakteure. Gleichzeitig weist es auf die Grenzen dieser Daten hin: Obwohl sie häufig in Echtzeit verfügbar sind und einen Überblick auf unterschiedlichen geografischen Ebenen bieten, können ihre Qualität und Genauigkeit variieren. Zudem stellt die Unterscheidung zwischen Touristinnen und Touristen sowie der lokalen Bevölkerung eine Herausforderung dar, was die Datenanalyse erschwert.

Darüber hinaus betont das White Paper die wachsende Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Datenanbietern, Tourismusorganisationen und der Forschung. Es warnt jedoch vor einer übermässigen Abhängigkeit von Daten und erinnert daran, dass diese als Entscheidungsgrundlage dienen sollen und nicht als alleinige Lösung. Der Bericht hebt hervor, dass der Tourismus aufgrund seiner subjektiven Aspekte ein menschliches und kontextbezogenes Verständnis der jeweiligen Situation erfordert, um fundierte Analysen und wirksame Entscheidungen zu ermöglichen.

Abschliessend unterstreicht das White Paper die zentrale Rolle von Daten für das Verständnis und das Management des modernen Tourismus. Es entwirft die Vision einer Zukunft, in der die intelligente Integration grosser Datenmengen im Einklang mit dem technologischen Fortschritt und den regulatorischen Entwicklungen den Tourismussektor grundlegend verändern könnte. Werden diese Daten sachgerecht verwaltet, bieten sie die Chance, die Bedürfnisse und das Verhalten der Touristinnen und Touristen besser zu verstehen und dadurch das touristische Gesamterlebnis zu verbessern.

Das White Paper enthält zudem eine detaillierte Übersicht über die für den Tourismussektor relevanten Datenquellen, darunter:

  • Eine umfassende Übersichtstabelle, welche Art, Herkunft und Relevanz verschiedener Datenquellen für den Tourismus beschreibt. Die Tabelle bewertet deren Potenzial, Zugänglichkeit und die damit verbundenen rechtlichen Einschränkungen und vermittelt so einen vollständigen Überblick über die verfügbaren Datenquellen.
  • Für jeden Datentyp ist im Anhang eine vertiefte SWOT-Analyse enthalten. Diese ermöglicht es den Tourismusakteuren, die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken der einzelnen Datenquellen klar zu erkennen und dadurch fundierte sowie strategisch abgestützte Entscheidungen über deren Nutzung zu treffen.

Hinsichtlich der rechtlichen Aspekte hat unsere Forschung gezeigt, dass erhebliche rechtliche Bedenken im Zusammenhang mit dem Schutz der Privatsphäre und der Vertraulichkeit von Daten bestehen. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Europa sowie das Bundesrecht und das kantonale Recht legen strenge Anforderungen an die Erhebung und Bearbeitung von Daten fest. Je nach Datentyp ist eine Nutzung der Daten ohne übermässig einschränkende Vorgaben möglich (z. B. Suchmaschinendaten oder Abfalldaten), während andere Datenarten deutlich problematischer sind (z. B. CRM-Kundendaten). Es ist entscheidend, dass die Akteure im Tourismussektor über die rechtlichen Auswirkungen der Datennutzung informiert und entsprechend geschult werden. Strategische Partnerschaften mit Fachpersonen sind unerlässlich, um sich im komplexen Datenumfeld sicher zu bewegen. Auch die Behörden sind gefordert, die rechtlichen Rahmenbedingungen zu präzisieren und weiterzuentwickeln, um die Nutzung neuer Datenquellen im Tourismus zu erleichtern und gleichzeitig Datenschutz und Vertraulichkeit zu gewährleisten.

Der Bericht unterstreicht die Bedeutung und zugleich die Komplexität neuer Datenquellen im Tourismussektor. Er zeigt sowohl die damit verbundenen Chancen als auch die Herausforderungen auf, insbesondere im Hinblick auf Datenqualität, Datenanalyse und die Einhaltung der rechtlichen Vorgaben.

White Paper

Artikel

  • Bruno Pasquier/Samah Posse/Atenas Anderson, Défis juridiques liés aux systèmes de mesure intelligents (smart system), en particulier sous l’angle de la protection des données, Semaine Judiciaire, 2024, 289-310 https://lasemainejudiciaire.ch/

Konferenz

Dauer des Projekts

01.03.2024 - 31.12.2024

Mitarbeiter

Prof. Dr. Bruno Pasquier
Prof. Dr. Bruno Pasquier Principal investigator
Roland Schegg
Roland Schegg Principal investigator
M Law Laura Zermatten
M Law Laura Zermatten Other Team member
Dr. Samah Posse
Dr. Samah Posse Other Team member
Rodrigo Corredor
Rodrigo Corredor Other Team member

Finanzierung

Projet Interdisciplinaire, canton Valais
Amount: CHF 129’000

Links

White Paper