Dieses Postdoc-Projekt untersucht die Machtverhältnisse, welche das internationale anthropologische Feld zwischen 1920 und 1980 prägten. Es hinterfragt die vorherrschende Annahme eines linearen Übergangs von einem rassistischen beziehungsweise biologischen Paradigma zu einem kulturorientierten Paradigma nach dem Zweiten Weltkrieg.
Ausgehend vom Konzept des „Feldes“ als einem semi-autonomen sozialen Raum, in dem Akteurinnen und Akteure um wissenschaftliche Legitimität konkurrieren, zeigt das Projekt auf, wie rassistische und biologische Denkweisen in diesem Zeitraum fortbestanden, transformiert und zugleich infrage gestellt wurden. Es verfolgt dabei zwei zentrale Ziele:
Das Projekt ist in dreifacher Hinsicht innovativ. Erstens verfolgt es eine globale und transnationale Perspektive, die der Geografie des Wissens sowie den asymmetrischen Zirkulationsprozessen zwischen Zentren und Peripherien besondere Aufmerksamkeit widmet. Zweitens rückt es internationale Kongresse ins Zentrum der Untersuchung. Diese stellten zentrale Orte der Zirkulation, Aushandlung und Legitimierung anthropologischen Wissens dar, wurden bislang jedoch nie systematisch erforscht. Drittens stützt sich das Projekt auf einen originellen Quellenkorpus, der überwiegend aus bisher wenig ausgewerteten gedruckten und archivischen Beständen aus Genf, London, Paris und Leiden besteht. Untersucht werden insgesamt 33 Kongresse, die von drei bedeutenden Institutionen organisiert wurden: dem Internationalen Institut für Anthropologie, dem International Congress of Anthropological and Ethnological Sciences sowie dem Colloque des anthropologistes de langue française.