Das Forschungs- und Vermittlungsprojekt «Davos und der Nationalsozialismus» untersucht die medizinischen, ideologischen und institutionellen Verknüpfungen zwischen den NS-Akteuren und den lokalen, kantonalen und schweizerischen Behörden. Die Ergebnisse werden als Buch veröffentlicht.

1933 wurde Davos zum zentralen Schauplatz des Nationalsozialismus in der Schweiz. Nicht nur lagen dort der Sitz der Landesgruppenleitung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei sowie zahlreicher ihrer Unterorganisationen und eines deutschen Gymnasiums, an dem nach NS-Lehrplänen unterrichtet wurde. Der «Weltkurort» Davos war auch Standort zweier bedeutender Tuberkulosesanatorien im Besitz privater deutscher Stiftungen: die Deutsche Heilstätte Davos-Wolfgang, die über eine Dépendance in Agra bei Lugano verfügte, sowie das Deutsche Kriegerkurhaus. Diese Sanatorien wurden nach 1933 systematisch in die NS-Gesundheitspolitik miteinbezogen. Dadurch veränderten sie ihre Funktion grundlegend: Aus Heilstätten wurden Zwangs- und Propagandaanstalten im Dienst der NS-Rassenhygiene und «Seuchenbekämpfung». Damit steht die Frage im Raum: In welchem Ausmass und mit welchen Konsequenzen wurden Davos, Agra und Arosa – wo der NS-Staat noch 1941 eine Kinderheilstätte eröffnen konnte – zu Schauplätzen des «Euthanasieprogramms»? Was wussten die Behörden, wer waren die Opfer, was geschah mit ihnen – auch über das Kriegsende von 1945 hinaus, als zwischen 200 und 250 ehemalige Sanatoriumsinsassen von den Davoser Behörden ins Wallis verlegt wurden, in die dortige Lungenheilstätte in Finhaut bei Martinach.

Dauer des Projekts

01.08.2026 - 31.07.2027

Mitarbeiter

Erich Keller
Erich Keller Assoziierter Forscher