Für Bernhard C. Schär bedeutet das Fehlen eigener schweizerischer Kolonien nicht, dass die Schweiz ausserhalb des Kolonialismus stand. «Kolonialismus war nie ausschliesslich eine Form politischer Fremdherrschaft, sondern umfasste auch wichtige wissenschaftliche, religiöse, wirtschaftliche und kulturelle Dimensionen», erklärt er.
Über Handelsgesellschaften, Banken, Missionen, Universitäten und Museen war die Schweiz in die Dynamiken der europäischen Expansion eingebunden. Auch das Wallis war Teil dieser Netzwerke, wenngleich seine Rolle bislang nur wenig erforscht ist.
Der Lebensweg von André Perraudin veranschaulicht diese Verflechtungen. Als Missionar in Ruanda übte er während der Kolonialzeit und auch nach der Unabhängigkeit bedeutenden Einfluss aus. Seine Biografie bietet einen Ausgangspunkt, um die Verbindungen zwischen Religion, Politik und Gesellschaft in der Geschichte Ruandas zu beleuchten.