Im anschliessenden Podiumsgespräch, moderiert von der Journalistin Ruth Seeholzer, wurden die im Film aufgegriffenen Themen aus persönlichen, historischen und politischen Perspektiven vertieft. Regisseurin Corinne Kuenzli berichtete, wie sie durch die eigene Familiengeschichte einen persönlichen Zugang zum Thema fand. Die Begegnungen mit Betroffenen und die Recherchen in Archiven ermöglichten ihr vertiefte Einblicke in weitere Familiengeschichten, die über Generationen hinweg von Ausgrenzung, Schweigen und traumatischen Erfahrungen geprägt waren.
Die Historikerin Tanja Rietmann, Lehrbeauftragte an der FernUni Schweiz und Forscherin am Interdisziplinären Zentrum für Geschlechterforschung der Universität Bern, ordnete die Schicksale in ihren historischen Kontext ein. In der Schweiz waren vermutlich mehrere Hunderttausend Erwachsene und Kinder von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen betroffen. Während Erwachsene oft in Anstalten «versorgt» wurden, wurden Kinder häufig als kostengünstige Arbeitskräfte in der Landwirtschaft eingesetzt. Die damaligen Praktiken gingen mit schwerwiegenden Verletzungen der Kinder- und Menschenrechte einher und verdeutlichen zugleich die historische Benachteiligung von unverheirateten Frauen, etwa im Vormundschaftswesen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die Aufarbeitung im Wallis. Während Tanja Rietmann auf den Mangel an historischer Forschung zur Situation im Kanton hinwies, thematisierte Claudia Alpiger, Präsidentin der SP Oberwallis, den gesellschaftlichen Umgang mit schwierigen Kapiteln der Vergangenheit. Thematisiert wurden auch die bereits erfolgte offizielle Entschuldigung und die Errichtung einer Gedenktafel in Sitten. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die historische Aufarbeitung im Wallis noch zahlreiche offene Fragen aufwirft.