Kulturgeschichte

Modultitel Kulturgeschichte
Dozent/in
Assistent/in
Durchführungtyp Frühjahrssemester
Zielgruppe Studierende im 7. und 8. Semester
ECTS-Punkte 10
Beschreibung

Die Kulturgeschichte hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer der einflussreichsten Analyseperspektiven der Geschichtswissenschaft entwickelt. Sie löste damit die quantifizierende Sozialgeschichte und die klassische Politikgeschichte ab, wie sie noch in den 1970ern vorherrschten. Kulturgeschichte bedeutet nicht einfach die Geschichte der „Kultur“ in einem eingeschränkten Sinn von Literatur, Musik, Kunst usw. Alle menschlichen Phänomene werden als Ausdruck von Kultur gelesen, was der Kulturgeschichte etliche neue Forschungsfelder erschloss: Medien, Körper, Sexualität, Geschlecht, Gefühle, Wissen, Globalität und Alltagsgeschichte rückten von der Peripherie ins Zentrum. Auch traditionelle geschichtswissenschaftliche Themen wie die Geschichte von Personen und Staaten sind nach dem cultural turn anderes geworden. Bedient hat sich die Kulturgeschichte an unterschiedlichsten Theorie und Ansätzen aus verschiedenen Disziplinen, Methodenpluralismus ist ihr Markenzeichen. Ziel des Moduls ist es, einen Überblick über die wichtigsten kulturgeschichtlichen Methoden, Konzepte und Theorien zu vermitteln. Zu nennen sind hier etwa Butler, Foucault, Geertz, Hall, Harraway, Latour oder Saïd. Die Kulturgeschichte hat selbst eine Geschichte, die weit ins 18. Jahrhundert zurückreicht. Um die neure Kulturgeschichte zu verstehen, muss man die Anknüpfungen und Abgrenzungen zu diesen Vorläufern analysieren (etwa Jacob Burckhardt).

Als Untersuchungsfeld schauen wir uns ein Phänomen an, das im Rahmen der klassischen Kulturgeschichte entstand, an dem wir die neuen Ansätze durchspielen werden: die Pfahlbauer. Wir fragen, was Pfahlbauer mit unserer (Schweizer) Identität zu tun haben, was Identität ist und was „uns“ bedeutet. Mit welchem Wissen, welchen Medien, welchen Körpern stellten die Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts Wissen, Medien und Körper der Pfahlbauer und wie tun sie es heute?

Gemeinsam lesen und diskutieren wir Ute Daniels „Kompendium der Kulturgeschichte. Theorien, Praxis, Schlüsselwörter“ einer der besten und anschaulichen Überblickswerke zum Thema.

Bestandteil des Leistungsausweises ist eine Seminararbeit, für welche die Studierenden mit teils verschiedenen Quellen arbeiten oder etwa heutige Museen analysieren.

Lektüre

Pflichtliteratur:

Daniel, Ute: Kompendium Kulturgeschichte. Theorien, Praxis, Schlüsselwörter, Frankfurt/M. 2002 (oder spätere Auflage)

(Stand FS19)

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